Erdkinderplan

In ihrem Buch „From Childhood to adolescence“, übersetzt ins Deutsche in „Von der Kindheit zur Jugend“ skizziert Maria Montessori in den Anhängen „Appendix A und B“ sehr genau, wie sie sich die vorbereitete Umgebung eines Lernortes für Jugendliche vorstellt.

Dabei stellt sie sich keine herkömmliche Schule vor.
„We have called these children the „Erdkinder“, because they are learning about civilization through its origin in agriculture.“ (…) „The school where the children live, or rather their country homes, can give them the opportunity for social experience“.

Renilde Montessori, eine Urenkelin von Maria, drückte es später so aus: „It is not a school“ .

Dies ist auch der Leitgedanke der Montessori Farm Aulendiebach. Wir wollen bei uns vor Ort nicht auf herkömmliche Unterrichtsstrukturen zurückgreifen.
Das heißt aber nicht, dass wir die Jugendlichen zu Landwirten ausbilden wollen, vielmehr bietet die Farm neben der Landwirtschaft eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten und Lernanreizen, in denen vernetzt studiert und gearbeitet werden kann – in einem „centre of study and work“.

Im Shop („Locanda“) lernen die Jugendlichen nicht nur das Wirtschaften und verwalten, sie kommen auch in Kontakt zu Kunden und zur Gesellschaft, als Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben. In unserer Farm setzen wir dies zunächst durch die regelmäßige Teilnahme an Wochenmärkten um.

Die Farm beinhaltet nach Montessori auch ein Gästehaus, in denen die Jugendlichen Gäste empfangen. „By taking part in the administration the young people gain experience in hotel-keeping in all its various branches“. Auch dem tragen wir in unserem Konzept Rechnung. Hospitationsanfragen und Events werden von unseren Jugendlichen organisiert und betreut.

Es geht also nicht um „Ferien auf dem Bauernhof“ – es geht
vielmehr darum, einen strukturierten Montessori-Klassenraum bereitzustellen, der unzählige Materialien für die Jugendlichen bereithält. Nur sind dies nun keine Wortartensymbole oder Multiplikationsbretter mehr, sondern die Küche, die Werkstatt, ein Maschinenpark oder – museum, der Garten, Gäste, Events, Musikveranstaltungen, Performances, Experten und die Gruppe, in der die Jugendlichen selbst leben.

All dies ist auf einer Montessori-Farm perfekt arrangierbar.

Elementar wichtig ist dabei aus unserer Sicht das Boarding/die Übernachtung.
Maria Montessori formuiert es in verschiedenen Texten sehr klar, dass dies ein elementarer Bestandteil des pädagogischen  Konzeptes ist.
„During the difficult time of adolescence it is helpful to leave the accustomed environment of the family in the town and go to quiet surroundings in the country, close to nature“.

Dabei denkt sie unserer Meinung nach nicht an ein klassisches Internat, sondern an eine Erfahrungsschule sozialen Miteinanders.  Die Arbeit auf der Farm wird effektiv, wenn die Handlungen, die die Jugendlichen machen, echte Relevanz haben. Wenn ich mit den Gruppenmitgliedern in meiner Gruppe zusammen wohne, zusammen Dienste und Projekte mache, zusammen ein Schlafzimmer teile, dann muss ich alle Probleme und Herausforderungen, die ich mit der Gruppe habe, lösen. Denn ich kann mich Ihnen nicht entziehen, nach 13:00 oder 15:00 Uhr, wenn ein regulärer Schultag endet.

Um Selbständigkeit und persönliche Entwicklung zu erreichen, muss der Jugendliche das tun, wozu sein inneres Ich ihn ruft: Lernen, außerhalb der geschützten Familie sein eigenes Leben zu leben. Dies kann er im Erdkinderplan tun – und dabei praktisch und akademisch lernen. Der Lehrplan ist das Leben.

Maria Montessori „From Childhood to adolescence“, The Montessori series Volume 12
Montessori-Pierson Publishing Company