Farm-Blog!

Comments Box SVG iconsUsed for the like, share, comment, and reaction icons

Hello my name is Gustav! ... See MoreSee Less

3 weeks ago
Hello my name is Gustav!

... See MoreSee Less

4 weeks ago

"House-Parent Auszeiten, Farmsitting und das Leben in der Gemeinschaft"

Heute berichte ich euch als Houseparent von der Farm - denn die Jugendlichen sind noch nicht wieder da.

Unser kleiner Osterurlaub ist vorbei, und wir als House Parent Familie übernehmen die Pflege der Farm, bevor ab dem 2.Mai die Community der Montessori Farm die Verantwortung für den Ort wieder übernimmt.
In den vergangenen 10 Tagen haben Catarina, unsere House Parent Assistenz, mit zwei Familien der Farmklasse und mit Hilfe von Sirus, unserem australischem Handwerker, die Farm gepflegt, und der Ort ist in einem tadellosem Zustand. Danke dafür!

Für uns als Familie sind diese Auszeiten wie in den letzten 10 Tagen sehr wichtig, denn außerhalb dieser "Breaks" sind wir 24/7 für den Lernort in Bereitschaft, wir sind unverzichtbarer Teil des Systems.

In der Woche, während die Jugendlichen da sind, begleitend und unterstützend, an den Wochenenden in voller Verantwortung für Tiere und Pflanzen. Das heißt, dass du jedes Mal, wenn du am Wochenende Freunde oder Verwandte besuchen willst, die Pflege der Farm organisieren musst.

Das heißt während der Woche, dass wir als Familie komplett mit den Jugendlichen leben und unser privates Familienleben unterordnen. Wenn dann wichtige Gespräche geführt werden müssen, weil es zum Beispiel Konflikte gegeben hat, oder weil es einem Jugendlichen nicht gut geht, steht meine Zeit nicht für meine Tochter und meine Frau zur Verfügung. Das schränkt ein.

Auf der anderen Seite ist es für uns bereichernd, denn man lernt in der Gemeinschaft der Farm viel, wenn man auf einem Lernort wie diesem lebt. Man erlebt Dinge, die man als "normale Familie" nie erleben würde. Und das Leben mit den Tieren und der Natur gibt einem auch in diesen schwierigen Zeiten Struktur und Sicherheit. Wir sind sehr dankbar dafür, das erleben zu können. Es ist schön, im Sommer in der Natur in der Außenküche leben zu können, frisches Gemüse und Obst essen zu können.
Als Montessoripädagoge ist das Leben auf der Farm für mich zudem eine einzigartige Gelegenheit, das ganzheitliche Curriculum der Mittelstufe jeden Tag zu leben und zu fühlen, und die praktischen Elemente immer wieder mit den Studien und der Theorie zu verknüpfen.

Der Mikrokosmos der Farm macht deutlich, was in der gesamten Gesellschaft wichtig ist. Jeder kennt seinen Platz und fühlt auch, dass er ein Zahnrad ist, welches gebraucht wird. Dies ist etwas, was die Farm allen, die hier mitarbeiten, vermittelt. Dinge, die du tust, haben einen Einfluss auf andere Menschen.

Du kannst nicht immer alles tun, was dir gefällt und was du für richtig hältst, denn es könnte jemandem anderen schaden.
Du musst dich in deinen Gewohnheiten einschränken, denn sonst krankt die Umwelt und die Gemeinschaft an einer anderen Stelle.
Das kann bedeuten, dass man die Heizung nicht so aufdrehen kann, wie man es in seinem eigenen Zimmer zu Hause gewohnt ist, da ansonsten die Heizkosten zu hoch werden.
Das kann bedeuten, dass ich nicht jedem einen Spruch als Spaß drücken kann, wie ich es in meinem Freundeskreis mache, weil dort ja jeder "den Spaß" versteht.
Es kann bedeuten, dass ich auf Essensgewohnheiten verzichte, oder vielleicht nicht einen wichtigen Quest in meinem Computerspiel abschließen kann, weil nicht so viel Medienzeit ist wie zu Hause, wenn ein Haushalt mit 15 Menschen geführt werden muss.

Und trotzdem ist die Individualität in einer Gemeinschaft wichtig, die eigene Entfaltung. Jugendliche haben das Bedürfnis, sich selbst zu finden. Dem muss Raum gegeben werden. Es braucht unbedingt Rückzugsräume dafür.
Sie sind hier aber nicht grenzenlos. Sie hören da auf, wo man anderen schadet.

Einige unserer Jugendlichen sagen uns, dass sie nicht verstehen, wie wir das schaffen: dauernd diese Rücksicht auf andere auszuüben, dauernd uns einzuordnen in dieser Gemeinschaft von bis zu 15 Jugendlichen, die auf der Farm gleichzeitig leben und dann noch am Wochenende die Pflichten erfüllen.
Und ja, in der Intensität ist es hart, auch wenn wir unsere kleine Wohnung unter dem Dachgeschoss haben, die komplett privat ist und in der wir uns auch einmal einzeln zurückziehen können.

Weil es so intensiv ist, brauchen wir diesen Ausgleich alle paar Monate: 10 Tage nur als Familie miteinander verbringen. Keine Tiere pflegen müssen, seinen eigenen Tagesablauf selbst bestimmen, für niemanden in der Verantwortung stehen. Auf uns selbst achten, auf unsere Gesundheit, und unsere Beziehungen untereinander.

Auf der anderen Seite ist die Übernahme von solcher Verantwortung es auch etwas, was in unserer Gesellschaft verloren gegangen ist und was wir brauchen, um in Zukunft in Frieden leben zu können. Alles scheint extremer zu werden, jeder hat das Bedürfnis sich selbst auszuleben. Auf seinen persönlichen Luxus zu verzichten, fällt immer schwerer.
Das geht aber nicht jeden Tag, wir leben auf dieser Welt gemeinsam, alle Nationen dieser Erde. Wir können nicht nur auf uns selbst schauen. Das geht immer nur für eine gewisse Zeit gut.

Es ist mir wichtig, dass wir hier als Familie ein Vorbild sind. Ein mögliches Modell. Dass wir zeigen, dass es geht, etwas zusammen mit Spaß zu schaffen, auf die Beine zu stellen. Etwas, wo wir alle stolz drauf sein können. Dass man ein Teil von etwas sein kann und nicht nur sein eigenes Ego in den Vordergrund stellt- und trotzdem seinen eigenen, individuellen Wert besitzt. Nicht nur für ein oder zwei Jahre, sondern über einen längeren Zeitraum.
Die House Parent Stelle ist sehr wichtig in einem Erdkinder-Setup. Sie sollte keine Stelle sein, in der die Menschen nur für eine kurze Zeit arbeiten und danach nicht mehr können.

Was wir dafür brauchen, mussten wir erfahren und lernen. Es sind sind diese kleinen "Breaks", das ist unser "Entfaltungsraum" als Familie. Es sind aber auch Strukturen, Grenzen und Regeln, die wir persönlich auf der Farm haben müssen, damit wir atmen können. Für diese brauchen wir die bedingungslose Rücksicht und Unterstützung der Gemeinschaft. Denn die House Parents sind die Menschen, die die meiste Zeit auf der Farm verbringen.

Nun sind wir wieder bereit für den nächsten Abschnitt. Wir freuen uns auf viele tolle Erlebnisse!

Liebe Grüße

Lars, House Parent
Montessori Farm Aulendiebach
... See MoreSee Less

4 weeks ago
House-Parent Auszeiten, Farmsitting und das Leben in der Gemeinschaft

Heute berichte ich euch als Houseparent von der Farm - denn die Jugendlichen sind noch nicht wieder da. 

Unser kleiner Osterurlaub ist vorbei, und wir als House Parent Familie übernehmen die Pflege der Farm, bevor ab dem 2.Mai  die Community der Montessori Farm die Verantwortung für den Ort wieder übernimmt.
In den vergangenen 10 Tagen haben Catarina, unsere House Parent Assistenz, mit zwei Familien der Farmklasse und mit Hilfe von Sirus, unserem australischem Handwerker, die Farm gepflegt, und der Ort ist in einem tadellosem Zustand. Danke dafür!

Für uns als Familie sind diese Auszeiten wie in den letzten 10 Tagen sehr wichtig, denn außerhalb dieser Breaks sind wir 24/7 für den Lernort in Bereitschaft, wir sind unverzichtbarer Teil des Systems. 

In der Woche, während die Jugendlichen da sind,  begleitend und unterstützend, an den Wochenenden in voller Verantwortung für Tiere und Pflanzen. Das heißt, dass du jedes Mal, wenn du am Wochenende Freunde oder Verwandte besuchen willst, die Pflege der Farm organisieren musst. 

Das heißt während der Woche, dass wir als Familie komplett mit den Jugendlichen leben und unser privates Familienleben unterordnen. Wenn dann wichtige Gespräche geführt werden müssen, weil es zum Beispiel Konflikte gegeben hat, oder weil es einem Jugendlichen nicht gut geht, steht meine Zeit nicht für meine Tochter und meine Frau zur Verfügung. Das schränkt ein.

Auf der anderen Seite ist es für uns bereichernd, denn man lernt in der Gemeinschaft der Farm viel, wenn man auf einem Lernort wie diesem lebt. Man erlebt Dinge, die man als normale Familie nie erleben würde. Und das Leben mit den Tieren und der Natur gibt einem auch in diesen schwierigen Zeiten Struktur und Sicherheit. Wir sind sehr dankbar dafür, das erleben zu können. Es ist schön, im Sommer in der Natur in der Außenküche leben zu können, frisches Gemüse und Obst essen zu können. 
Als Montessoripädagoge ist das Leben auf der Farm für mich zudem eine einzigartige Gelegenheit, das ganzheitliche Curriculum der Mittelstufe jeden Tag zu leben und zu fühlen, und die praktischen Elemente immer wieder mit den Studien und der Theorie zu verknüpfen. 

Der Mikrokosmos der Farm macht deutlich, was in der gesamten Gesellschaft wichtig ist. Jeder kennt seinen Platz und fühlt auch, dass er ein Zahnrad ist, welches gebraucht wird. Dies ist etwas, was die Farm allen, die hier mitarbeiten, vermittelt. Dinge, die du tust, haben einen Einfluss auf andere Menschen. 

Du kannst nicht immer alles tun, was dir gefällt und was du für richtig hältst, denn es könnte jemandem anderen schaden. 
Du musst dich in deinen Gewohnheiten einschränken, denn sonst krankt die Umwelt und die Gemeinschaft an einer anderen Stelle. 
Das kann bedeuten, dass man die Heizung nicht so aufdrehen kann, wie man es in seinem eigenen Zimmer zu Hause gewohnt ist, da ansonsten die Heizkosten zu hoch werden. 
Das kann bedeuten, dass ich nicht jedem einen Spruch als Spaß drücken kann, wie ich es in meinem Freundeskreis mache, weil dort ja jeder den Spaß versteht. 
Es kann bedeuten, dass ich auf Essensgewohnheiten verzichte, oder vielleicht nicht einen wichtigen Quest in meinem Computerspiel abschließen kann, weil nicht so viel Medienzeit ist wie zu Hause, wenn ein Haushalt mit 15 Menschen geführt werden muss.  

Und trotzdem ist die Individualität in einer Gemeinschaft wichtig, die eigene Entfaltung. Jugendliche haben das Bedürfnis, sich selbst zu finden. Dem muss Raum gegeben werden. Es braucht unbedingt Rückzugsräume dafür. 
Sie sind hier aber nicht grenzenlos. Sie hören da auf, wo man anderen schadet. 

Einige unserer Jugendlichen sagen uns, dass sie nicht verstehen, wie wir das schaffen: dauernd diese Rücksicht auf andere auszuüben, dauernd uns einzuordnen in dieser Gemeinschaft von bis zu 15 Jugendlichen, die auf der Farm gleichzeitig leben und dann noch am Wochenende die Pflichten erfüllen.
Und ja, in der Intensität ist es hart, auch wenn wir unsere kleine Wohnung unter dem Dachgeschoss haben, die komplett privat ist und in der wir uns auch einmal einzeln zurückziehen können. 

Weil es so intensiv ist, brauchen wir diesen Ausgleich alle paar Monate: 10 Tage nur als Familie miteinander verbringen. Keine Tiere pflegen müssen, seinen eigenen Tagesablauf selbst bestimmen, für niemanden in der Verantwortung stehen. Auf uns selbst achten, auf unsere Gesundheit, und unsere Beziehungen untereinander. 

Auf der anderen Seite ist die Übernahme von solcher Verantwortung es auch etwas, was in unserer Gesellschaft verloren gegangen ist und was wir brauchen, um in Zukunft in Frieden leben zu können. Alles scheint extremer zu werden, jeder hat das Bedürfnis sich selbst auszuleben. Auf seinen  persönlichen Luxus zu verzichten, fällt immer schwerer.
Das geht aber nicht jeden Tag, wir leben auf dieser Welt gemeinsam, alle Nationen dieser Erde. Wir können nicht nur auf uns selbst schauen. Das geht immer nur für eine gewisse Zeit gut. 

Es ist mir wichtig, dass wir hier als Familie ein Vorbild sind. Ein mögliches Modell. Dass wir zeigen, dass es geht, etwas zusammen mit Spaß zu schaffen, auf die Beine zu stellen. Etwas, wo wir alle stolz drauf sein können. Dass man ein Teil von etwas sein kann und nicht nur sein eigenes Ego in den Vordergrund stellt- und trotzdem seinen eigenen, individuellen Wert besitzt. Nicht nur für ein oder zwei Jahre, sondern über einen längeren Zeitraum. 
Die House Parent Stelle ist sehr wichtig in einem Erdkinder-Setup. Sie sollte keine Stelle sein, in der die Menschen nur für eine kurze Zeit arbeiten und danach nicht mehr können. 

Was wir dafür brauchen, mussten wir erfahren und lernen. Es sind sind diese kleinen Breaks, das ist unser Entfaltungsraum als Familie. Es sind aber auch Strukturen, Grenzen und Regeln, die wir persönlich auf der Farm haben müssen, damit wir atmen können. Für diese brauchen wir die bedingungslose Rücksicht und Unterstützung der Gemeinschaft. Denn die House Parents sind die Menschen, die die meiste Zeit auf der Farm verbringen. 

Nun sind wir wieder bereit für den nächsten Abschnitt. Wir freuen uns auf viele tolle Erlebnisse! 

Liebe Grüße 

Lars, House Parent 
Montessori Farm AulendiebachImage attachment
Load more